Von 1881 bis 1943
1881
Zum Nachfolger hatte Wichern 1873 seinen Sohn Johannes benannt. In dessen Amtszeit bis 1901 entstehen zahlreiche große Gebäude auf dem Gelände und es beginnt der Ausbau der Landwirtschaft. Das in Hamburg 1887 beschlossene „Gesetz über die Zwangserziehung Minderjähriger“ unterstellt nun straffällig gewordene und gefährdete Minderjährige den staatlichen Behörden. 1901 wird Martin Hennig Vorsteher. Er steigert die Zahl der „Hausbrüder“ und erweitert die Landwirtschaft. 1906 entsteht in Jenfeld der „Holstenhof“.
1914
Der 1. Weltkrieg setzt dem Ausbau ein Ende und bringt Einbrüche beim Personal sowie in der Versorgung mit sich. Finanziell geht es nach Kriegsende weiter dramatisch abwärts. 1923 wird das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz eingeführt. Kirchliche Einrichtungen wie Das Rauhe Haus verlieren Teile ihrer Unabhängigkeit.
1925
Pastor Fritz Engelke wird Vorsteher. In seine Amtszeit fallen die staatliche Anerkennung der Wichern-Schule als Gymnasium und der Diakonenausbildung als Wohlfahrtspflegerschule (1928). Auch die 100-Jahr-Feier des Rauhen Hauses und der Versuch einer Einordnung der Stiftung in den Nationalsozialismus fallen in diese Zeit.
1933
Im September begeht die Stiftung ihren 100. Geburtstag. Nach der Begegnung beim Jubiläum beruft Reichsbischof Müller 1934 Vorsteher Engelke als Reichsvikar nach Berlin.
Auch die Diakonenschaft des Rauhen Hauses begrüßt die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Drei leitende Angestellte treten im März 1933 der NSDAP bei. Man hofft, Das Rauhe Haus durch eine Annäherung an die neuen Machthaber in seinem Bestand schützen zu können. Im September 1933 findet der Deutsche Diakonentag unter der Hakenkreuzfahne statt. Schwierigkeiten ergeben sich besonders für Jungen aus der Diskrepanz zwischen der durch Liebe und Nächstenliebe geprägten Pädagogik im Rauhen Haus und den nationalsozialistischen Erziehungszielen. Weihnachten 1937 beschlagnahmt die Gestapo 23.000 Reichsmark Spenden. 1938 beschließt der Verwaltungsrat die Gründung eines kleinen Altenheims, um die Stiftung vor der Zwangsauflösung nach einem möglichen Verbot der Erziehungsarbeit zu schützen.
1939
Zwei Tage nach Kriegsbeginn wird Gotthold Donndorf Vorsteher. Bereits seit 1937 kann Das Rauhe Haus nach dem neuen Gesetz über das Sammlungswesen keine öffentlichen Spendensammlungen mehr durchführen. Man gründet statt dessen einen „Freundeskreis“, die Gelder gelten so als Mitgliedsbeiträge. 1939 wird die Wichern-Schule auf Befehl des Hamburger Reichsstatthalters Kaufmann verstaatlicht. Im März 1940 endet die Ausbildung von Diakonen, weil sie ausnahmslos zum Kriegsdienst eingezogen sind. Das Rauhe Haus vermietet 10 seiner 29 Häuser an den Reichsstatthalter, der dort eine SS-Heimschule plant.






