Von 1946 bis heute

1946

Richtfest des Hauses "Ora et labora" 1954

Richtfest des Hauses "Ora et labora" 1954

Der Wiederaufbau des Rauhen Hauses vollzieht sich in weniger als zehn Jahren. Am Konzept der Stiftung ändert sich nichts. Nur auf eine Schule wird vorerst verzichtet. 1951 stattet Bundespräsident Theodor Heuss der Stiftung einen Besuch ab und prägt den vielzitierten Satz: „Wichern hatte keine Zeit, ein großer Theologe zu werden, da es ihm eilte, ein guter Christ zu sein.“

1957

Die neue Wichern-Schule

Die neue Wichern-Schule

Pastor Ulrich Heidenreich

Pastor Ulrich Heidenreich

Die Wichern-Schule entsteht neu. Die Hamburgische Landeskirche hat großes Interesse an einer evangelischen Privatschule und unterstützt die Errichtung energisch. Nachfolger von Donndorf wird der Husumer Propst Wolfgang Prehn, ein erklärter Gegner des Nazi-Regimes.

1971/72

In Folge der großen gesellschaftlichen Veränderungen nach 1968/69 stellt die Diakonenanstalt ihre Ausbildung auf ein Studium an der Ev. Fachhochschule für Sozialpädagogik um und nimmt erstmals auch Frauen auf. Als Absolventinnen der Fachhochschule und eingesegnete Diakoninnen werden sie in den Folgejahren Mitglieder der Brüderschaft. 1985 wird diese in „Brüder- und Schwesternschaft“ umbenannt. Seit 1990 bekleiden im Rauhen Haus auch Frauen Leitungsämter. Durch die Umstellung der Ausbildung auf das Niveau einer Fachhochschule verliert die Stiftung ihre unbezahlten Erziehungsmitarbeiter. Es müssen Erzieher eingestellt und bezahlt werden - nicht nur finanziell ein bedeutender Einschnitt, denn zugleich schwindet der Einfluss der Brüderschaft auf die Arbeit in der „Anstalt“.
1972 wird Pastor Ulrich Heidenreich Vorsteher.

1979 wird das im Krieg zerstörte Alte Haus aus Spendenmitteln originalgetreu wieder aufgebaut.

1982

Briefmarke 1983

Briefmarke 1983

Pastor Dietrich Sattler

Pastor Dietrich Sattler

In Hamburg werden Heime für Kinder und Jugendliche abgeschafft. Die Kinder- und Jugendhilfe des Rauhen Hauses kommt diesem politischen Schritt um Jahre zuvor, verlässt die großen Wohneinheiten auf dem Gelände und organisiert ihre Arbeit in dezentralen Wohngruppen. Erstmals werden auch Mädchen aufgenommen, unter den Betreuern finden sich jetzt auch Frauen.

Zum 150-jährigen Bestehen des Rauhen Hauses wird in der Hauptkirche St. Michaelis ein Festgottesdienst gehalten. Beim anschließenden Staatsakt spricht Bundespräsident Karl Carstens. Anlässlich des Jubiläums erscheint auch eine Briefmarke der Deutschen Bundespost.

1995

Seit dem Antritt von Dietrich Sattler als Vorsteher gilt es angesichts der allgemeinen Kürzungen in der Sozialen Arbeit, die Arbeit der Stiftung zu sichern und sie an die sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Die Entwicklung zu zunehmend ambulanter Betreuung verfolgen staatliche Stellen in erster Linie aus finanziellen Gründen.  Das Rauhe Haus bejaht diese Schritte aus inhaltlichen Gründen und entwickelt in allen Arbeitsfeldern konsequent neue Konzepte.

2002 bis 2004

Das Stiftungsgelände in Hamburg-Horn

Das Stiftungsgelände in Hamburg-Horn

In den Stiftungsbereichen Kinder- und Jugendhilfe und Behindertenhilfe entwickelt sich zunehmend die ambulante Betreuung. Inzwischen überwiegt sie die stationären Hilfen. Im Stiftungsbereich Sozialpsychiatrie beginnt ein ähnlicher Prozess.

Im September 2003 brennt das „Alte Rauhe Haus“, ein Nachbau des Gebäudes, in dem Wichern 1833 seine Arbeit begann, infolge Brandstiftung aus. Es kann bereits ein Jahr danach wieder eingeweiht werden.

2005 bis 2007

Mit Beginn des Schuljahres 2006 bildet die Ev. Berufsschule für Altenpflege nach dem Bundesaltenpflegegesetz aus.

Ende 2006 wird ein neuer Vertrag über die Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie zwischen der Nordelbischen Kirche, dem Hamburger Senat und der Stiftung Das Rauhe Hause geschlossen. Er sichert den Bestand der Hochschule, der durch die Kürzungen der kirchlichen Finanzierung in den Vorjahren gefährdet war.

Mit Beginn des Jahres 2007 gelten für die Stiftungen Das Rauhe Haus und Diakonenanstalt des Rauhen Hauses neue Satzungen. Der Verwaltungsrat und das Kuratorium bilden die Aufsichtsorgane, beide Stiftungen haben einen gemeinsamen Vorstand. Gleichzeitig ist damit eine Modernisierung der betrieblichen Struktur verbunden.

Nach mehreren Krisenjahren stellt der Stiftungsbereich Kinder- und Jugendhilfe seine Arbeit neu auf. Bestehende ambulante, präventive und stationäre Angebote sind miteinander so verknüpft, dass sie sowohl dem Hilfebedarf der Betreuten als auch der Praxis der Jugendämter entsprechen.

Nach einem mehrjährigen Prozess stellt der Stiftungsbereich Sozialpsychiatrie sein Angebot völlig neu auf. Die Einrichtung Brüderhof wird 2007 geschlossen, die Plätze werden den vier Hamburger Regionalzentren zugeordnet. Das bisherige Strukturprinzip der Trennung von ambulanten und stationären Angeboten wird damit aufgehoben.

Die Brüder- und Schwesternschaft schließt im Mai 2007 einen mehrjährigen Prozess der Leitbild- und Organisationsentwicklung ab. Damit steht die geistliche Gemeinschaft des Rauhen Hauses auch Nicht-Diakonen offen.

Im Sommer 2007 feiert die Wichern-Schule ihr 50-jähriges Bestehen nach Neugründung. Der Zweig Haupt- und Realschule wird mit Schuljahresbeginn Reformschule.

Die Stiftung