Handlungsgrundsätze des Rauhen Hauses

In allem, was wir tun - wenn wir verhandeln, beraten, unterweisen, leiten - geht es um die Begegnung von Menschen. Therapie und Pädagogik sollen die Fähigkeit und die Möglichkeit menschlicher Beziehungen fördern. Sie haben da die Grenze, wo Begegnungen verhindert und Beziehungen zerstört würden. Solches Auf-den-Menschen-Zugehen ist immer wieder beeinträchtigt von der eigenen Schwachheit und nicht frei davon, dem Anderen etwas schuldig zu bleiben. Es ist auch bestimmt vom eigenen Bedürfnis, Anerkennung zu erfahren. Es setzt voraus, dass einer sich auf den anderen verlässt, und dass jeder bereit ist, den anderen anzunehmen und von ihm zu lernen. Darum wollen wir an folgenden Grundsätzen festhalten:

a) Jedem gilt die Leben schaffende, Lebensfreude bewirkende Botschaft des Evangeliums.
Darum bemühen wir uns, diese Botschaft nicht nur als Grundlage des eigenen Lebens und Handelns anzunehmen, sondern einander in ihr gewisser zu machen und sie in einer Weise weiterzusagen und zu
bezeugen, die sie für den anderen hörbar und annehmbar macht und ihm dennoch seine eigene Entscheidung überlässt.

b) Jeder ist als eigenständige Persönlichkeit von Gott geschaffen und geliebt. Darum stärken wir Eigenverantwortung und Selbstvertrauen des einzelnen.

c) Jeder hat seine Gaben. Wir brauchen einander, wir ergänzen einander.
Darum gehen wir offen in gegenseitiger Achtung und Liebe miteinander um.

d) Jeder hat vor Gott seinen Wert.
Darum treten wir für das Lebensrecht der Schwächeren ein.

e) Jeder braucht Raum und Zeit für sich selbst.
Darum gestehen wir uns Möglichkeiten zum Ausruhen, zur Stille und zur Selbstbesinnung zu.

f) Jeder braucht den anderen.
Darum suchen wir die Begegnung untereinander und fördern den Erfahrungsaustausch.

g) Die Einheit unserer Gemeinschaft lebt durch die Vielfalt derer, die ihr angehören.
Darum lassen wir unterschiedliche Meinungen gelten und bemühen uns in wichtigen Fragen um Konsens.

h) Die Not der Menschen, die bei uns leben und lernen, hat auch gesellschaftliche Ursachen.
Darum versuchen wir, unseren Beitrag zu einem menschlicheren und gerechteren Zusammenleben der Menschen in unserer Gesellschaft zu leisten.

i) Wir erkennen den biblischen Auftrag zur Verwaltung der Schöpfung. Darum vermeiden wir, was unsere Umwelt belastet oder zerstört und wirken für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in der Natur.

j) Wir werden aneinander schuldig und versagen gegenüber unseren Aufgaben. Darum möchten wir bereit sein, mit Konflikten zu leben, Fehler einzugestehen, Gewalt zu vermeiden und Schuld zu vergeben.

In dem allen soll die Freude, die vom Evangelium ausgeht, in unseren Alltag hineinstrahlen und unser Leben bestimmen.

Die Stiftung